KI-Tools für Steuerberater 2026: Was die Vergleiche verschweigen
11 KI-Tools für Steuerberater sind 2026 am Markt (taxandbytes.de, DStV-Marktübersicht). Die meisten Vergleiche listen sie nebeneinander auf, als wären sie austauschbar. Das sind sie nicht: Wer ein Recherche-Tool mit einer Multi-LLM-Plattform vergleicht, vergleicht ein Skalpell mit einem OP-Saal. Dieser Artikel sortiert den Markt nach Kategorien und zeigt, welches Werkzeug zu welchem Kanzleityp passt.
Vier Kategorien von KI-Tools, die zu oft in einen Topf geworfen werden
Der Markt für KI-Tools in der Steuerberatung wirkt unübersichtlich, weil fast jeder Vergleich Äpfel mit Birnen mischt. Tatsächlich lassen sich die verfügbaren Lösungen in vier klar abgrenzbare Kategorien einteilen:
Kategorie A: Fachverlags-KI. Haufe CoPilot Tax, NWB KIRA, Otto Schmidt Answers (powered by Taxy.io), Deubner Tax KI, juris SteuerPraxis KI und GenIA-L von Stollfuß. Alle greifen auf die Inhaltsbasis ihres jeweiligen Verlags zu und liefern steuerrechtliche Recherche mit Quellenverweisen auf Kommentarliteratur. Die Stärke: redaktionell geprüfte Inhalte, direkte Verknüpfung mit der Fachliteratur, die Steuerberater ohnehin nutzen. Die Grenze: Diese Tools können ausschließlich recherchieren. Mandantenkommunikation, Vertragsprüfung oder Wissensmanagement liegen außerhalb ihres Funktionsumfangs.
Kategorie B: Plattform-eigene KI. Die DATEV KI-Werkstatt, seit Dezember 2023 verfügbar, seit Februar 2026 mit dem neuen DATEV Copilot. Kostenlos für alle DATEV-Mitglieder, tief in das DATEV-Universum integriert. 11.000+ Mitglieder haben die Prototypen getestet. Die Werkzeuge (Einspruchsgenerator, Summarizer, Service-Assistent) zeigen die Richtung. Ehrlich gesagt: Der Status bleibt Prototyp. Für den produktiven Kanzleieinsatz fehlt es an Breite und Zuverlässigkeit.
Kategorie C: Allgemeine KI-Plattformen. ChatGPT Enterprise und Microsoft Copilot fallen in diese Gruppe: breiter Funktionsumfang (Assistenten, Dokumentenanalyse, Meeting-Zusammenfassungen), aber ohne Steuerrecht-Wissensbasis und ohne branchenspezifische Konfiguration. Beide arbeiten ausschließlich mit OpenAI-Modellen (Single-LLM). Für den Kanzleialltag fehlt ihnen die fachliche Tiefe.
Kategorie D: Branchenspezifische KI-Plattform. ASCADI, die Multi-LLM-Plattform von Visionary Data, verbindet den breiten Funktionsumfang einer allgemeinen KI-Plattform mit einer eigenen Steuerrecht-Wissensbasis aus amtlichen Quellen (Gesetze, Richtlinien, BFH-Urteile, BMF-Schreiben). 9 spezialisierte Assistenten für den Kanzleialltag (Einspruchs-Assistent, Bescheidprüfung, USt-Navigator, Honorar-Rechner nach StBVV u. a.), Multi-LLM-Zugang (ChatGPT, Claude, Gemini, Mistral) und ein strukturiertes Einführungsprogramm. Der Unterschied zu Kategorie C: ASCADI ist nicht generisch, sondern auf die Anforderungen von Steuerberatern konfiguriert.
| Kategorie | Beispiele | Stärke | Grenze | Preisrahmen |
|---|---|---|---|---|
| Fachverlags-KI | Haufe CoPilot Tax, NWB KIRA, Otto Schmidt Answers, Deubner Tax KI, juris SteuerPraxis KI | Redaktionell geprüfte Steuerrecht-Recherche mit Quellenverweisen | Nur Recherche, kein breiterer Kanzleieinsatz | 99–349 €/Mon. |
| DATEV KI-Werkstatt | DATEV Copilot, Einspruchsgenerator, Summarizer | Kostenlos für Mitglieder, DATEV-Integration | Prototyp-Stadium, begrenzte Features | Kostenlos |
| Allgemeine KI-Plattform | ChatGPT Enterprise, Microsoft Copilot | Breiter Einsatz, bekannte Oberfläche | Keine Steuerrecht-Wissensbasis, kein §203, Single-LLM | Ab 25 €/Nutzer/Mon. |
| Branchenspezifische KI-Plattform | ASCADI von Visionary Data | Steuerrecht-Wissensbasis, 9 Fachassistenten, Multi-LLM, §203-Vertrag, Enablement | Keine proprietären Verlagsinhalte | Ab 26 €/Nutzer/Mon. + Setup |
Welche KI-Tools eignen sich für welchen Kanzleityp?
Die Frage ist nicht "Welches Tool ist das beste?", sondern "Was braucht meine Kanzlei konkret?". Drei Szenarien aus der Praxis:
Szenario 1: Gezielte Steuerrecht-Recherche. Eine Einzelkanzlei mit Schwerpunkt Einspruchsverfahren braucht schnelle Antworten auf spezifische Steuerrechtsfragen, mit belastbaren Quellenverweisen. Hier ist eine Fachverlags-KI die richtige Wahl. Taxy.io hat die Steuerberaterprüfung bestanden und den Deutschen KI-Preis erhalten (Kategorie Anwenderpreis, 2025). Haufe CoPilot Tax wird von 50% der Nutzer bereits statt der klassischen Suchfunktion verwendet (Haufe-Nutzungsdaten). Wer bereits ein Haufe- oder NWB-Abo hat, sollte die integrierte KI zuerst testen.
Szenario 2: Recherche plus breitere Anwendung. Eine mittelgroße Kanzlei (30+ Mitarbeitende) will KI nicht nur für Recherche, sondern auch für Mandantenbriefe, Bescheidprüfung, Vertragsprüfung und Wissensmanagement einsetzen. Hier stößt die Fachverlags-KI an ihre Grenzen. Eine Multi-LLM-Plattform mit Steuerrecht-Wissensbasis deckt den breiteren Bedarf ab. Aus unserer Beratungspraxis: Eine mittelständische WP/StB-Kanzlei entschied sich genau aus diesem Grund für eine Plattformlösung. Der breitere Anwendungsbereich und die Möglichkeit, nahezu alle Kanzleidaten einzubinden, gaben den Ausschlag. Nicht die Recherche allein, sondern die Nutzbarkeit über Abteilungen und Tätigkeitsfelder hinweg.
Szenario 3: Kanzleiweite KI-Einführung. Wenn nicht nur der Kanzleiinhaber, sondern 20, 50 oder 100 Mitarbeitende KI nutzen sollen, wird Enablement zum entscheidenden Faktor. Die BCG GenAI-Adoption-Studie zeigt: Strukturiertes Enablement steigert die KI-Zustimmung von 15% auf 55%. In derselben Kanzlei aus unserer Beratungspraxis war das Einführungsprogramm, nicht die Technologie, der Grund für die flächendeckende Nutzung. Kein Fachverlags-Tool und auch nicht die DATEV KI-Werkstatt bieten ein strukturiertes Enablement.
Was die Vergleichstabellen nicht zeigen: §203, Enablement und Wissensbasis
Die meisten Vergleiche bewerten KI-Tools nach Features, Preis und Usability. Für Kanzleiinhaber sind drei andere Kriterien relevanter, die in keiner bestehenden Marktübersicht auftauchen:
Kriterium 1: §203-Konformität. Steuerberater sind Berufsgeheimnisträger. Wer Mandantendaten in ein KI-Tool eingibt, braucht mehr als eine DSGVO-konforme Auftragsverarbeitung. Er braucht einen Geheimhaltungsvertrag nach §203 Abs. 4 StGB. Warum das nicht dasselbe ist, haben wir in unserem §203-Praxischeck detailliert dargestellt. Die meisten KI-Tools am Markt bieten diesen Vertrag nicht.
Kriterium 2: Steuerrecht-Wissensbasis. Die Fachverlags-KIs greifen auf proprietäre Verlagsinhalte zu: Kommentare, Expertisen, redaktionell aufbereitete Inhalte. Das ist ihre Stärke. Weniger bekannt: Es gibt einen alternativen Weg. Gesetze, Verordnungen, Richtlinien (EStR, UStAE, AEAO), BFH-Urteile und BMF-Schreiben sind nach §5 Abs. 1 UrhG gemeinfrei. Eine Multi-LLM-Plattform kann diese amtlichen Quellen direkt als Wissensbasis nutzen und darauf spezialisierte Assistenten aufbauen: Einspruchs-Assistent, Bescheidprüfung, USt-Navigator, Honorar-Rechner nach StBVV. Das ersetzt nicht die redaktionelle Tiefe eines Fachverlags, erweitert aber den Funktionsumfang erheblich.
Kriterium 3: Enablement und Adoption. Ein Tool, das niemand nutzt, ist wertlos. 95% der GenAI-Pilotprojekte liefern keinen messbaren ROI (MIT, Prof. Nanda). Der häufigste Grund: fehlendes Change Management. Weder Fachverlags-Tools noch die DATEV KI-Werkstatt bieten ein strukturiertes Einführungsprogramm. Sie setzen voraus, dass der Nutzer selbst herausfindet, wie er die KI produktiv einsetzt.
| Kriterium | Fachverlags-KI (z. B. Haufe, Taxy.io) | DATEV KI-Werkstatt | ChatGPT Enterprise / Copilot | ASCADI von Visionary Data |
|---|---|---|---|---|
| §203-Geheimhaltungsvertrag | Nein | Nicht separat ausgewiesen | Nein | Ja (einziger Anbieter im DACH-Raum) |
| Steuerrecht-Wissensbasis | Proprietäre Verlagsinhalte (Kommentare, Expertisen) | DATEV-eigene Inhalte | Keine | Amtliche Quellen (EStG, UStAE, BFH-Urteile, BMF-Schreiben) |
| Anwendungsbereiche | Nur Recherche | Recherche + Prototypen | Breit, aber ohne Fachkonfiguration | Recherche, Mandantenbrief, Vertragsprüfung, Meeting Intelligence, Wissensmanagement |
| Enablement-Programm | Nein | Nein | Nein | Ja (Workshop, Konfiguration, Go-Live-Begleitung) |
| KI-Modelle | 1 (herstellerabhängig) | 1 (Azure OpenAI) | 1 (nur OpenAI) | 4+ (GPT-4o, Claude, Gemini, Llama) |
| Preis | 99–349 €/Mon. (Team) | Kostenlos (Mitglieder) | Ab 25 €/Nutzer/Mon. | Ab 26 €/Nutzer/Mon. + Setup |
So wählen Sie das richtige KI-Tool für Ihre Kanzlei
Schritt 1: Bedarf ehrlich klären. Wenn Sie ausschließlich steuerrechtliche Recherche beschleunigen wollen, testen Sie zuerst das KI-Tool Ihres bestehenden Fachverlags-Abos. Haufe CoPilot Tax ist im Haufe Steuer Office enthalten, NWB KIRA in der NWB-Datenbank. Kein zusätzlicher Vertrag nötig.
Schritt 2: §203-Konformität prüfen. Sobald Mandantendaten ins Spiel kommen (und das tun sie bei fast jedem Anwendungsfall jenseits der reinen Recherche), prüfen Sie, ob der Anbieter einen Geheimhaltungsvertrag nach §203 Abs. 4 StGB bietet. Eine DSGVO-AVV allein reicht für Berufsgeheimnisträger nicht aus. Der BStBK FAQ-Katalog KI von Februar 2026 bestätigt diese Anforderung.
Schritt 3: Adoption messen, nicht nur Features vergleichen. Fragen Sie nach vier Wochen: Wie viele Mitarbeitende nutzen das Tool tatsächlich? Wie oft? Für welche Aufgaben? Wenn die Antwort "hauptsächlich ich selbst, ab und zu" lautet, fehlt das Enablement. Wenn Sie unsicher sind, welche Anwendungsbereiche in Ihrer Kanzlei den größten Hebel haben: Visionary Data bietet dafür einen kostenlosen KI-Potenzial-Workshop an.
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Häufige Fragen zu KI-Tools für Steuerberater
Ersetzt eine Multi-LLM-Plattform ein Fachverlags-Tool wie Haufe oder NWB?
Nein. Fachverlags-KI und Multi-LLM-Plattformen haben unterschiedliche Stärken. Fachverlags-Tools liefern redaktionell aufbereitete Steuerrecht-Recherche mit Verweisen auf Kommentarliteratur. Eine Multi-LLM-Plattform wie ASCADI deckt mit einer eigenen Wissensbasis aus amtlichen Quellen (Gesetze, Richtlinien, BFH-Urteile) die Steuerrecht-Recherche ab und ergänzt sie um Anwendungsbereiche wie Mandantenkommunikation und Vertragsprüfung. Viele Kanzleien nutzen beides parallel.
Ist die DATEV KI-Werkstatt eine echte Alternative zu spezialisierten KI-Tools?
Die DATEV KI-Werkstatt ist kostenlos und für DATEV-Mitglieder niedrigschwellig zugänglich. Der neue DATEV Copilot (seit Februar 2026) zeigt die Richtung. Für gezielte Steuerrecht-Recherche oder eine kanzleiweite KI-Einführung braucht es aktuell spezialisierte Lösungen. Testen Sie die KI-Werkstatt als Einstieg, planen Sie aber nicht Ihre KI-Strategie darauf.